Geschichte umschreiben?

Mich bewegt gerade ein konzeptionelles Problem: Wie fiktional darf historicalFiction eigentlich sein?

Mein derzeitiges Projekt hat den Jüdischen Krieg zum Thema. Das ist der, bei dem im Jahre 70 der Tempel in Jerusalem zerstört wurde, wodurch das Judentum sein kulturelles und religiöses Zentrum verlor (hier gibt es eine Leseprobe). Der Siegeszug der Römer durch Galiläa und Judäa, aber auch der Bürgerkrieg zwischen Aufständischen und Romfreunden (bzw. Arm und Reich) ist sehr gut dokumentiert durch den römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der vor seiner Gefangennahme durch den späteren Kaiser Vespasian Feldherr und Statthalter der Juden in Galiläa war, also beide Seiten kennt.

Dieser Flavius Josephus liefert mir nun in seinem Werk Bellum Judicaicum einen wichtigen Protagonisten meines fiktionalen Plots (der sich mehr so in Richtung phantastische Abenteuergeschichte entwickelt). Ich nehme also Leben und Wirken dieser Person auf, aber ihr Tod passt mir nicht. Denn der Mann wird vom falschen Anführer der Aufständischen umgebracht. Vom damaligen Rivalen meines Bösewichts in der Geschichte. Ich hätte dem aber gern selber diese fieseTat in die Schuhe geschoben.

„Mach doch“, höre ich euch jetzt rufen.

Das ist aber nicht ganz so einfach, weil ich mich im gesamten setting akribisch an die historischen Fakten halte. Fiktional ist bisher nur mein Plot, die Geschichte in der Geschichte.

Nehme ich das alles zu genau? Soll ich mir historische Fakten zurecht biegen, weil es die story verlangt? Und mein schlechtes Gewissen mit einem Nachwort beruhigen, in dem mein Kunstgriff als Schummelei offen gelegt wird? Oder doch lieber die grauen Zellen bemühen und einen Dreh finden, mit dem mein Bösewicht den Rivalen fies für seine Zwecke einspannt (Auftragsmord oder so)?

Ich bin gespannt, wie ich mich entscheide …

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