Heute war wieder so ein Tag. An dem ich als Autor abends denke: den ganzen Tag am PC gesessen und nichts hinbekommen. Nur rumgedallert.
Dabei fing alles so gut an. Ich habe mein nächstes Szenensetting entworfen, aus einem meiner Protagonisten gedanklich einen Spion gemacht, der der Handlung neuen Schwung verleihen wird, eine Nebenfigur aus der Versenkung geholt und meinen Geheimbund um ein unerwartetes Mitglied verstärkt. Aber dann wollte ich wissen, wo die römischen Präfekten (Statthalter) in Alexandria gewohnt haben. Und der Rest des Tages verging in Recherche.
Ist ja auch alles so interessant. Wie Alexander die Stadt entworfen hat. Warum er sie so weit wie möglich an den westlichen Rand des Nildeltas verlegte. Wo die große Bibliothek war und wo der Leuchtturm stand. Wie die Juden mit den Griechen auskamen und was die Römer von beiden Volksgruppen hielten. Und dann entdecke ich auch noch, dass der Präfekt, der seine Truppen als erster auf Vespasian einschwor und ihn somit zum Imperator deklarierte, ein Jude war.
Viel gelesen, nichts geschrieben. Passiert.
Und wenn ich den Blogbeitrag hier fertig habe, werde ich mir wie jeden Abend „Die Physik der unsichtbaren Dimensionen“ von Michiu Kaku reinziehen. Eine populärwissenschaftliche „Reise durch Zeittunnel und Paralleluniversen“. Denn wer HistoricalFiction schreiben will, sollte auch ein wenig Ahnung von den zehn Dimensionen, der Raumzeit und der Kraft-Energie haben. Ich hätte nie gedacht, dass mir das so viel Erkenntnis bringen würde. Endlich begreife ich Picassos Kubismus, wohin der Geist im „Gespenst von Canterbury“ verschwindet oder welch Revolution der Plot von H. G. Wells „The Time Machine“ in der Literatur auslöste.
Recherchieren bringt nichts Greifbares. Aber man begreift so viel mehr. Und darum war dieser Tag auch kein verlorener, selbst wenn mich meine Twitter-Freunde wieder mit „heute habe ich einen halben Roman geschrieben, morgen beginne ich den nächsten“ nerven.
Eintauchen in die Geschichte und auftauchen in der Zukunft. Ich liebe es.