Wir auf dem Dorf kommen selten in die Kleinstadt, die gut 12 km entfernt liegt. Denn zum Glück gibt es in unserem Hauptort einen Edeka, drei Allgemeinärzte, eine Zahnarztpraxis, Schule, Kindergarten und Hort. Aber für spezielle Wünsche setzen wir uns dann doch ins Auto.
Gestern musste ich mal wieder zur Bank und bei der Gelegenheit ging ich auch gleich mal in den Buchladen, den es dort am Markt zum Glück noch gibt.
„Guten Tag“, sage ich zu der Dame hinter dem Tresen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, „ich wollte hier zwei Bücher für meine Frau abholen.“
„Sind Sie nicht der Autor?“, unterbrach sie mich.
Ich war baff. Eine Leserin, die mich vom Foto auf dem Buchumschlag wiedererkennt! „Falls Sie das Buch über Carola Neher meinen: ja“, gab ich bescheiden zu.
„Sie wollen Ihr Buch hier verkaufen. Oder vielleicht eine Lesung machen?“, forschte sie nach dem wahren Grund meines Besuchs in ihrem Laden.
„Ja geht das denn?“ Ich war einigermaßen verblüfft über diese Idee, denn ihr Geschäft ist nicht einmal so groß wie unser Wohnzimmer.
„Na, hier nicht. Aber drüben im Museum. Also, wenn Sie Lust auf eine Lesung haben, dann rufe ich da mal an und wir machen einen Termin.“
„Gern“, jubelte ich still. „Haben Sie denn das Buch gelesen? Also wenn Sie das gut fanden und denken, dass es Interessenten dafür geben könnte, komme ich gern.“
„Nein, dazu bin ich noch nicht gekommen. Aber wenn wir schon einmal einen Schriftsteller in der Umgebung haben, dann wollen wir den auch präsentieren. Der letzte hat irgendwas übers Internet gemacht. So einen Briefroman. Nur mit E-Mails. Die Bücher sind alle verkauft.“
Ich habe selten eine Buchhandlung so motiviert verlassen.
P. S.: Wie sich herausstellt, hatte meine Frau bei ihrer Buchbestellung mal vorgefühlt, ob sich die Buchhändlerin vorstellen könnte, dass … Gefreut habe ich mich trotzdem