Grausamkeiten

Auf X habe ich heute furchtbare, verstörende Videos gesehen. Von Terroristen der Hamas, die in Israel eindringen und Juden schlagen, entführen, töten, ihre Leichen schänden. Und Kommentare gelesen, ob es richtig sei, solche grausamen Bilder zu zeigen. Die selbe Frage hatte ich mir beim Schreiben meines neuen Buches gestellt.

Dessen Handlung spielt in dieser Region. Allerdings vor 1.950 Jahren. Auch damals herrschte Krieg. Rom ging mit aller Brutalität gegen die Juden in Galiläa und Judäa vor, die sich zuvor gegen die Fremdherrschaft erhoben und tausende Legionäre erbarmungslos getötet hatten.

Ich hatte in meiner Geschichte die Grausamkeiten des Krieges beschrieben. Teilweise recht anschaulich. Den Hungertod der Alten im belagerten Jerusalem, die Vergewaltigung von Kindern bei der Eroberung der Festungsstadt Jotapata, die hundertfache Kreuzigung von Überläufern.

Und bekam dann Skrupel . Nachdem ich auf X von vielen Autoren las, dass sie ihren Geschichten Triggerwarnungen voranstellten, um die Leserinnen und Leser zu schonen. Und dass man schon beim Schreiben auf deren Gefühle Rücksicht nehmen müsse. Also habe ich meine Schilderungen entschärft.

Nach den heutigen Bildern sage ich: was für ein Unsinn. Man muss den Leuten, die Krieg nicht aus eigenem Erleben kennen, genau zeigen, was er für den Einzelnen bedeutet.

Der jüdische Historiker Flavius Josephus, der als Heerführer der Juden in römische Gefangenschaft geraten war und später ein Freund der Kaiser Vespasian und Titus wurde, hat sein Werk „Der Jüdische Krieg“ unter anderem aus eben diesem Grund verfasst. Er wollte den Lesern in Rom und im ganzen Reich zeigen, wie grausam das Abschlachten Unschuldiger ist. Deshalb beschrieb er die Gräuel schonungslos:

… sie verstopften den Unglücklichen die Öffnungen der Scham mit Erbsen und stießen ihnen spitze Stäbe ins Gesäß …

Flavius Josephus: Der Jüdische Krieg (5,10)

Ich sah heute in den Videos, wie eine total verängstigte junge Frau, gefesselt, in blutiger Kleidung und mit Wunden im Gesicht, von einem Hamas-Terroristen unter „Allah ist groß“-Rufen in einen Jeep gezerrt und weggebracht wurde. Ich sah, wie Männer im Blutrausch den Körper eines toten Israeli von einem Panzer zogen, um dann auf ihn einzutreten. Ich sah den leblosen Körper einer Israelin, auf einen Pickup geworfen. Sie war halbnackt, der BH hing in Achselhöhe auf ihrem Rücken, das rechte Bein war unnatürlich abgewinkelt. Und neben ihr saß ein bewaffneter Hamas-Mann, der lässig den Fuß auf die Leiche der jungen Frau gestellt hatte. Von der Seite spuckte ein Junge von vielleicht zwölf Jahren auf sie.

Man darf seine Augen nicht vor den Grausamkeiten des Krieges verschließen. Nicht vor dem Hass, nicht vor der Angst, nicht vor dem Sadismus und nicht vor der Unschuld der Opfer.

Die Lehre, die ich aus diesen Bildern zog: Wer ein Buch über einen Krieg schreibt, sollte ihn nicht verharmlosen. Und schon gar nicht, um die Leser zu schonen.

Die Realität ist nun einmal eine andere.

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