Die Last mit der Last

Das Buch, das ich gerade schreibe, gehört ins Genre HistoricalFiction. Und mag sein, ich bin altmodisch, aber ich nehme den Begriff ernst. Meine Geschichte ist gespickt mit fiktionalen Elementen, aber sie spielt vor einem realen historischen Hintergrund. Und bei dem bin ich eigen: Er muss stimmen.

Die Handlung hat den römisch-jüdischen Krieg als Rahmen, der im Jahr 70 unserer Zeit zur Zerstörung des Tempels in Jerusalem führte. Der Heerführer der Römer, Titus, konnte seinem Vater, dem Kaiser Vespasian, als Kriegsbeute unter anderem den Tempelschatz nach Rom bringen. Der muss aus einer Unmenge Silber bestanden haben, denn damals musste jeder Jude über 20 Jahre einen halben Tyrischen Schekel (die offizielle Währung des Tempels) nach Jerusalem senden – selbst wenn er in Babylon lebte. Mit der Tempelsteuer bekundete er offiziell seinen jüdischen Glauben.

Die Juden in Kleinasien wollten 88 v. Chr. ihre Tempelsteuer per Schiff nach Jerusalem schicken. Doch König Mithridates beschlagnahmte sie. Dadurch wissen wir, dass sie rund 800 Talent Silber senden wollten (ein Talent = 29 kg). Etwa genauso groß waren die jüdischen Gemeinden in Babylon, Syrien und Ägypten. Dazu kamen noch einmal doppelt doppelt so viele Juden im Kernland. Das ergibt eine jährliche Tempelsteuer von grob sechs mal 800 Talent bzw. rund 140 Tonnen Silber.

Und jetzt stellt sich mir als Autor, der korrekt sein will, eine spannende Frage: wie, beim Jupiter, hat Titus diese gewaltige Menge Siber zum Meer transportiert?

Hat er es Soldaten auf dem Rücken tragen lassen? Wohl kaum. Die hatten an ihrem normalen Gepäck genug zu schleppen. Und was ist mit den Pferden der Kavallerie? Ein Pferd kann an die 100 kg auf dem Rücken tragen. Wenn die Reiter laufen, bräuchte es zum Abtransport also 1.400 Pferde. Doch worin transportiert man das Silber? In Amphoren? Eher nicht. In Säcken zu je 10 kg (damit sie nicht reißen)? Das wären dann 14.000 Säcke. Woher sollte er die nehmen? Also Ochsenkarren. Die schafften damals 500 kg Last. Es bräuchte 280 Gespanne mit zwei Ochsen davor.

Bis gestern war ich mir unsicher, für welche dieser Transportarten ich mich entscheide. Doch dann habe ich eine weitere Folge der Serie „Rom“ auf Sky gesehen. In der stahlen 120 Jahr zuvor Soldaten des Pompejus den Staatsschatz der Republik. Ein Dutzend Kisten voller Goldbarren und Goldmünzen. Und brachten sie auf einem einzigen Ochsenkarren aus der Stadt. Auf dem auch noch neun Legionäre saßen, die schätzungsweise allein bereits an die 700 Kilogramm wogen!

Da wurde mir schlagartig klar: Ich mache mir viel zu viele Gedanken.

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