Ich habe mich entschlossen, mein neues Buch dem Genre Historical Fiction zuzuordnen. Weil das zwar eindeutig ein historischer Roman ist, also einer, der ein tatsächliches Ereignis der Geschichte zum Gegenstand hat und an realen Orten mit überlieferten Personen spielt. Er andererseits aber stark fiktionale Elemente enthält: Ausgedachte Personen, die ich für die Handlung brauchte; zwei gottgleiche Wesen, die ihre Meinungsverschiedenheiten auf dem Rücken der Menschen austragen; die sagenhafte Bundeslade, von der das 2. Buch Mose berichtet .
Klingt einfach und einleuchtend, oder? Aber versucht mal, Historical Fiction in die Schaufenster eines großen online-Buchhändlers einzuordnen. Ich habe es diese Woche bei BoD, also Books on Demand, versucht. Dazu musste ich mir erst einmal klar werden, was die Händler unter Historical Fiction verstehen.
In der deutschsprachigen Wikipedia existiert der Begriff gar nicht als Suchwort. Die englischsprachige Seite hingegen liefert eine Definition:
Historische Fiktion ist eine literarische Gattung, in der eine fiktive Handlung vor dem Hintergrund bestimmter realer historischer Ereignisse stattfindet.
Damit kann ich leben. Also versuchen wir das mal einzuordnen und arbeiten uns bei BoD von oben nach unten.
Die Hauptkategorie ist klar: Belletristik. Gehen wir auf die nächste Ebene. Tja. Ist „Ejhaw: Die Wächter der Lade“ nun ein Abenteuerroman oder ein Historischer Roman? Letztere Kategorie kann man nicht weiter unterteilen. Sie wäre aber durch das setting Jüdischer Krieg, Zerstörung Jerusalems und des Tempels der Juden, Vierkaiserjahr in Rom eigentlich korrekt. Aber andererseits bilden diese Vorgänge nur den Hintergrund für eine Geschichte um die angeblich verschollene Bundeslade, die plötzlich wieder auftaucht und in der sich etwas befindet, um das zwei Wesen, die nicht von dieser Welt sind, mit Hilfe meiner Protagonisten kämpfen. Also doch eher ein Abenteuerroman? Da gibt es als Unterkategorie wenigstens „Historischer Abenteuerroman“. Ja, das trifft es eigentlich. Nur leider wird dabei das fiktionale Element völlig ausgeblendet.
Dann versuche ich eben, das fiktionale Element mit den Kategorien deutlich zu machen. Kategorien, das sind die Suchwörter mit denen die geneigte Leserschaft mein Buch finden soll. Das naheliegendste, „Historical Fiction“, scheidet schon mal aus. Welcher deutsche Leser gibt denn dieses englische Suchwort ein, um meine Art von Belletristik zu finden?
Fünf frei zu vergebende Kategorien gönnt mir BoD. Gut. Da ich das fiktionale Element betonen will, wäre dann ja wohl „Fantasy“ die wichtigste. So weiß der Leser, der sich in der virtuellen Buchhandlung für das Regal „Historischer Roman“ entschieden hat, dass ihn mit meinem Buch kein Sittengemälde einer vergangnen Epoche erwartet. Und ich gewinne das Interesse derer, die sich für Welten ausserhalb unserer Realität interessieren. Fantasy ist demzufolge gesetzt.
An zweiter Stelle folgt bei mir „Mystery“. Weil in dem Roman unerklärliche Dinge im Raum stehen. In meinem Prolog zum Beispiel überlegt der biblische Moses, dass er an die 20.000 Jahre Zeit hat, seinen Auftrag auf Erden zu erfüllen („Hä? Starb der nicht mit Hundertzwanzig?“). Wenn das nicht mysteriös ist.
Weiter. Jetzt müsste ich wohl mal sagen, wo das Ganze spielt. Also lautet keyword Nummer drei „Jerusalem“. Da gibt es sicher eine große Interessensgruppe, wegen Jesus und der aktuellen Ereignisse und überhaupt.
Bliebe noch die zeitliche Einordnung. Deshalb lautet das vierte keyword bei mir „Römer“. „Rom“ geht nicht, weil man das Buch dann mit einem Reiseführer verwechseln könnte, „Römisches Reich“ tippt doch kein Mensch ein.
Wir sind in der Zeit des Krieges der Römer gegen die Provinz Judäa, so um das Jahr 70. Aber ich erzähle diese Auseinandersetzung aus der Sicht der Verlierer. Also lautet keyword 5 „Juden“. So erwische ich vielleicht sogar die, die etwas über die historischen Ursachen des gegenwärtigen Konflikts im Nahen Osten lernen wollen.
Kaum habe ich nach (hier verkürzt dargestellten) Stunden des Grübelns endlich die optimale Einordnung gefunden, beschleichen mich Zweifel. Meine Kategorisierung ist zwar ehrlich, aber nicht sehr verkaufsfördernd. Wenn ich mir so die Konkurrenz bei BoD ansehe, müsste ich eigentlich folgende Kombination wählen:
Historischer Abenteuerroman
keywords: „Römer“ „Liebe“ „Gewalt“ „Verrat“ „Geheimbund“
Würde auch alles stimmen.
Ich sage euch: Das Schlimmste am Schreiben ist das Verkaufen.
Wenn ihr wissen wollt, wofür ich mich letztlich entschieden habe, guckt doch einfach in den BoD-Bücherladen. Aber nicht vor dem 15. November. Das ist der offizielle Erscheinungstermin des Taschenbuchs. Vielleicht kauft ihr dann auch gleich ein Exemplar. Ihr wißt ja jetzt, worum es geht.