Das Finanzamt verlangt von mir, mein schreibendes Gewerbe mit einer präzisen Bezeichnung zu versehen. In der Auswahlliste meiner Finanzsoftware kommt der Begriff Schriftsteller dem am nächsten.
Aber das bin ich nicht. Nicht in meiner Selbstwahrnehmung.
Ein Schriftsteller, das ist für mich einer, der Schrift stellt, formt, verändert, mit Inhalten versieht. Mit Worten spielt, sie überraschend aneinanderreiht, ihnen die Kraft gibt, die Gedanken dahinter präzise zu benennen. Er schafft komplexe Welten als Analogien für das reale Leben, bricht die Wirklichkeit per Kopfarbeit so lange, bis man die dahinter liegende Struktur erkennt. Schafft Kunst.
Sowas mache ich nicht.
Ich bin Autor. Ein Handwerker, kein Künstler. Einer, der mit seinem Werkzeug, der Sprache, Dinge beschreibt. Nach festen Regeln, hundertmal erprobt. Einer der weiß, wann er das Uhrmacher-Set aus der Kiste holen muss und wann den Hammer. Der sich seiner Grenzen bewußt ist, sowohl was die Macht der eigenen Sprache, als auch die der eigenen Fantasie angeht.
Und wenn alles zusammen paßt, gelingt mir vielleicht Kunst-Handwerk. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dann wird aus einem, der hauptsächlich Geschichte erzählt, einer, der spannende, abenteuerliche, bewegende, anrührende Geschichten erzählt.
Aber ich sehe schon den Finanzbeamten vor mir, wie er meine Steuererklärung prüft: „So, so, ein Geschichtenerzähler. Na, den schauen wir wir uns doch mal genauer an.“
Und deshalb bleibts für die Steuer beim Schriftsteller.
Bei dem ist kreative Fantasie eingepreist.