Ich bin ein TikTok-Star

Der Clip dauert 11 Sekunden. Gedreht von meiner 13-jährigen Enkelin. Am Anfang sieht man meinen Schreibtisch. Dazu ertönt eine traurige Musik. Text: „POV: Niemand kauft das Buch, woran mein Opa Monate saß.“ Dann ein Schwenk auf mich. Ich sitze auf einem Stuhl, lese in meinem Roman „Ejhaw“. Klappe ihn zu, seufze und schaue betrübt in die Ferne. Das wars.

Die Idee dazu hatte meine Enkelin. Der hatte ich erzählt, dass sich mein zweiter Roman nicht ganz so gut verkauft, wie mein erster, bei dem noch die Werbekraft eines Verlages den Anfangsabsatz pushte. Sie wußte Rat: „Alte Leute mit Sorgen sind zur Zeit bei TikTok angesagt. Ich helfe Dir!“ Von der Idee bis zum Hochladen des fertigen Clips dauerte es drei Minuten. Gestern 13 Uhr war er online. (Hier könnt ihr ihn sehen)

Die Enkelin hatte ihn mit den Hashtags #oldpeople #grandpa #book und #opa versehen. Und sie wußte, was sie tat.

Nach 24 Stunden hatte das Video 700.000 (!) Aufrufe. 73.500 Likes. 1.600 Kommentare. 4.152 mal war der Clip unter „Favoriten“ abgelegt worden. Und 2.022 mal wurde er von TikTokkern unter ihrem account erneut veröffentlicht. Wahnsinn.

Einer der ersten Kommentare lautete: „Ich kaufe das Buch bestimmt. Wenn ich wieder Geld habe.“ Und genau in diesem Sinne hatte ich auch geringe Erwartungen an die Auswirkungen auf die „Realwirtschaft“. Und sah mich getäuscht. Ich habe gestern mehr „Ejhaw“-Bücher verkauft, als im gesamten Zeitraum seit der Veröffentlichung Mitte November. Bei Amazon ging der Titel steil:

Nummer 12 in Historische Thriller. Als Selfpublisher ohne Namen. Auf Grund des Clips einer 13-jährigen. (Hier könnt ihr bei Amazon direkt zuschlagen)

Ich habe mich gleich mal bei TikTok angemeldet. Und ein paar Rosenfotos als Probevido reingestellt. Nach 15 min schon 321 Zugriffe.

Kann es sein, dass ich beim Marketing bisher auf die falschen Plattformen gesetzt habe?

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