Mein Vater erzählte immer gern die Geschichte, wie die Damen der Buchhaltung, als sie irgendwann mit Computern ausgestattet wurden, jedes Ergebnis erst einmal auf einem Blatt Papier schriftlich nachrechneten. Gesundes Misstrauen gegenüber der neuen Technik. Habe ich eigentlich auch immer gehabt, obwohl ich mich die längste Zeit meines Berufslebens in diesem Neuland bewegte, wie Kanzlerin Merkel einst das Internet umschrieb.
Von der KI aber bin ich begeistert. Vor allem und gerade als Autor.
Als Spoiler vorweg: Ich halte überhaupt nichts davon, sie Texte oder gar ganze Bücher in meinem Namen schreiben zu lassen, wie das heute offenbar bereits andere praktizieren. Genausowenig würde ich sie posts auf social media verfassen lassen. Das bin dann nicht ich (sowohl bei den Büchern, als auch bei den posts) sondern irgendeine künstliche Intelligenz, die sich da äußert. Brauche ich nicht, will ich nicht. Das ist ja gerade das Schöne am Schreiben. Dass man es aus Spaß am Schreiben macht.
Wo ich aber ein glühender Verehrer und Nutzer von KI bin, das ist die Recherche. Ich sitze gerade am zweiten Band meines Romans „Ejhaw – Die Wächter der Lade„. Der spielt zu Zeiten des römischen Kaisers Domitian (51 – 96 n. Chr.). Und da kommen immer wieder Alltagsfragen auf, nach deren Antworten ich früher Stunden gesucht hätte:
- Setzte die römische Kriegsmarine Sklaven an den Rudern ihrer Liburnen und anderen Kriegsschiffe ein (Spoiler: Nein)
- Was bekamen Sklaven in der Provinz Gallia Narbonnensis zu essen? (Brot und Brei aus Weizen und Gerste)
- Durften freigelassene Frauen im Alten Rom zur Zeit der Flavier selbständig Geschäfte machen? (Ja, mit Einschränkungen)
- Wer war im Jahr 81 der Statthalter der Provinz Gallia Narbonnensis? (Wahrscheinlich ein Mann namens Publius Baebius Italicus)
Die Antworten werden ausführlich gegeben, mit Quellenangaben und Hintergrundinformationen, und das in Sekundenschnelle. Wo sich die KI nicht sicher ist, oder die Quellenlage sehr dürftig, wird das mitgeteilt. Hilft beim Schreiben enorm. Aber man sollte dabei äußerst misstrauisch sein.

Heute habe ich Grok (ein Chatbot, auf den man von X aus, das ich wie bluesky und Instagram immer offen habe, direkt zugreifen kann) gefragt, ob es im Alten Rom eine Münze gab, die den Wert von zwei Assen entsprach. Fragt nicht warum, es passte eben gerade so in die Geschichte. Hier die Antwort:

Wie meistens, habe ich das auf Wikipedia schnell gegengecheckt. Und was steht da?

Ein Semis ist nicht zwei Asse wert, sondern ein As zwei Semis. Ich habe es auf den Seiten diverser Münzhändler und Rom-Seiten gecheckt. Wikipedia hat recht.
Im Zusammenhang mit einer anderen Frage, die ich leider nicht mehr finde, hatte Grok behauptet, der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus sei ein Grieche gewesen, bevor er Bürger Roms wurde. Da der Mann eine der Hauptfiguren meines Romans ist, wusste ich auch das besser: Vater und Mutter stammten der Vita (einer Schrift des Flavius Josephus) zufolge aus dem priesterlich-königlichen Geschlecht der Hasmonäer, das über 150 Jahre über das Volk der Juden herrschte.
Ist vielleicht alles Krümelkackerei, wie wir früher sagten, aber es zeigt doch eines: Glaubt der KI nicht alles. Sie ist eine wahnsinnige Hilfe – aber nicht frei von Fehlern.