Meine Testleser haben es schwer mit mir. Denn ich kann Kritik schlecht vertragen. Oder nein, vertragen kann ich sie gut – wenn ich erkannt habe, dass sie berechtigt ist. Bis dahin ist es allerdings häufig ein weiter Weg. Der von mir Arbeit an mir selbst verlangt. „Denn siehe“, so muss ich oft erkennen, „dein Werk ist längst nicht perfekt.“ Und das gilt auch für den soeben beendeten zweiten Band meiner Ringträger-Reihe: „Ejhaw – Flucht nach Narbo“.

Aus dem hohen Norden kam von meiner Lieblings-Erstleserin zum Beispiel der Hinweis, dass sie die vielen römischen, griechischen und jüdischen Namen verwirren. Vor allem, da sie oft dreiteilig sind: Marcus Valerius Felix oder Philon Ben Avraham.
Meine spontane Reaktion war nach innen gekehrte Empörung: Wieso denn, das wird doch immer aus dem Kontext klar. Im eben genannten Beispiel ist der eine der dritte Ehemann meiner Hauptfigur und der andere der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Narbo. Also rufe ich meine Kritikerin an. Und bitte sie um ein Beispiel.
„Na ja“, sagt sie. „Da ist zum Beispiel diese Ruth. Die wird da in dem einen Brief erwähnt und ich frage mich: Ruth? Welche Ruth? Also ich würde mir ein Personenverzeichnis wünschen.“
Okay. Muss man akzeptieren. Ich hatte zwar ein Kapitel zuvor geschrieben, dass Ruth die Lebensgefährtin des Bruders meiner Hauptfigur ist, aber bitte. Wenn dir der Leser nicht folgen kann, musst du eben ihm folgen.
Wie schon gesagt, ich kann gut mit Kritik umgehen, wenn ich erst erkannt habe, dass sie berechtigt ist. Also erstelle ich die Übersicht der Figuren meines Romans.
Aber gleichzeitig bin ich auch noch ein Perfektionist. Die bloße alphabetische Auflistung der handelnden Personen genügt mir nicht. Ich könnte sie doch, überlegte ich mir im nächsten Schritt, der besseren Übersicht halber in die passenden Schubladen stecken. Gesagt, getan, ich drösele die fertige Liste wieder auf und mache gleich drei daraus: Eine Übersicht der historisch verbürgten Personen, dazu eine Zusammenstellung der fiktiven Charaktere und schließlich noch der Index der höheren Wesen (zur Erinnerung: der Roman ist eine historische Fantasy).
Das gefiel dem Lektor nun überhaupt nicht.
Es verwirre den Leser doch nur, wenn er erst einmal herausfinden müsse, ob Marcus Valerius Felix nun ein Mann sei, der nachweislich gelebt hat oder eine erfundene Figur. Und woher solle man dann noch wissen, ob er zu den höheren Wesen zählt?
Wie gesagt, ich kann gut mit Kritik umgehen, wenn ich erkannt habe, dass sie berechtigt ist. Also mache ich wieder eine einzige Liste. Und trenne fiktive von historisch belegten Charakteren, indem ich letztere in halbfetter Schrift hervorhebe. Und die höheren Wesen werden nicht mehr gesondert behandelt, weil sie ja letztlich auch nur vom Autoren ausgedacht sind.
Gesagt, getan. Der Wunsch der Testleserin ist erfüllt, die Anmerkung des Lektors berücksichtigt. Bleibt ein letztes Problem: Wieso hat jetzt Band II der Ringträger-Serie ein Namensverzeichnis und Band I nicht? Wie ich damit umgehen soll, weiß ich noch nicht. Man könnte nachträglich ein Register erstellen und dann eine zweite Auflage bei Books on Demand und KDP (eBook) veröffentlichen. Aber wirkt sich das womöglich auf die Anzeige der bereits erhaltenen Rezensionen zu Teil I aus (immerhin 42 allein bei Amazon)? Oder auf die Listung bei den Suchergebnissen?
Wie gesagt, ich vertrage Kritik. Wenn ich dennoch erst einmal abwehrend reagiere, hängt das womöglich damit zusammen, wieviel Arbeit und Entscheidungen sie gewöhnlich mit sich bringt. Aber bisher tat sie meinen Büchern immer gut.
Die historische Fantasy „Ejhaw – Die Wächter der Lade“ ist erhältlich bei Amazon.de sowie bei Books on Demand